Lüneburg drinnen, oder: Es gibt kein schlechtes Wetter

Was war das für ein Februar! Wir haben den Vorfrühling genossen, obwohl wir gar keinen richtigen Winter hatten. Das erste Eis der Saison gab es in diesem Jahr schon im zweiten Monat. Überall saßen die Leute draußen und ließen sich von den Sonnenstrahlen wärmen und auch wir, ich gebe es zu, haben die Aperol-Spritz-Saison auf der Dachterrasse eröffnet.

Und nun stehen wir da mit diesem März. Mit Regen und Sturm, frieren in unseren Übergangsjacken, weil wir die Winterkleidung ja schon wieder ganz nach hinten gepackt haben. Die Modegeschäfte locken mit den neuen Frühjahrsfarben. Die Dachterrasse müsste dringend fit gemacht werden für die neue Saison, aber da fliegen gerade die Gießkannen und leeren Blumentöpfe durch die Gegend.

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Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, sagen wir ja immer gerne, gerade hier im Norden. Aber seien wir mal ganz ehrlich: auch in der besten Kleidung hält sich in diesen Tagen der Spaß in Grenzen. Wer, wie ich, einen Hund hat, muss natürlich sowieso raus. Und ein bisschen frische Luft hat noch keinem geschadet. Aber selbst dem Hund vergeht bei Regen und Sturm der Spaß.

Schauen wir also in diesem März noch einmal nach drinnen. Was bietet Lüneburg bei schlechtem Wetter? Einige gute Anregungen findest Du auf der Seite der Lüneburg Tourismus. Ein paar davon habe ich bereits ausprobiert.

Das Lüneburger Rathaus von innen

Tatsächlich ist es schon mehr als ein Jahr her, dass ich an der Rathausführung teilgenommen habe. Bis heute habe ich nicht darüber geschrieben, und das hat einen Grund. Um es vorwegzunehmen: die historischen Räumlichkeiten des Rathauses sind absolut sehenswert! Und da sie nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen sind, solltest Du die 5 Euro unbedingt investieren. Leider hatte ich nicht so viel Glück mit dem Führer. Der alte Herr versteht sein Handwerk und hatte wirklich interessante Geschichten auf Lager, die er auf unterhaltsame Weise präsentierte. Aber man konnte ihn einfach sehr schlecht verstehen, da er sehr leise und undeutlich sprach. Das ging nicht nur mir so. Gerade die älteren Teilnehmer mussten immer wieder ganz nah an ihn herangehen, um überhaupt etwas zu verstehen. Ich war nun in einem Konflikt. Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass der alte Herr seinen Job verliert. Aber ich musste es den Mitarbeitern der Lüneburg Tourismus dennoch melden. Dort dreht sich ja, wie Du wahrscheinlich aus der Presse weißt, seit einiger Zeit gewaltig das Personalkarussell. Und so hat auch meine Ansprechpartnerin kurze Zeit später das Unternehmen verlassen. Was aus diesem Thema geworden ist, weiß ich nicht. Aber einige Monate später hörte ich, dass es anderen Besuchern genauso ergangen war wie mir. Schade, denn eine solche Führung ist kein gutes Aushängeschild für Lüneburg.

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Im Inneren des Rathauses ist das Fotografieren leider nicht erlaubt. Dieses Kunstwerk findest Du jedoch draußen an der  nord-östlichen Ecke des Gebäudes.

Beim zweiten Punkt auf der Liste, dem Besuch der Salztherme Lüneburg, kurz SaLü, gibt es leider ebenfalls einen Haken. Denn die wird derzeit gründlich saniert. Und das wird voraussichtlich zwei Jahre dauern, wovon erst eines vorbei ist. Das betrifft aber nur den Badebereich. Die Saunawelt ist vollständig in Betrieb.

Es gibt aber durchaus Alternativen in der näheren Umgebung: Die Jod-Sole-Therme in Bad Bevensen ist nur eine halbe Autostunde entfernt. Und zum MidSommerland in Hamburg-Harburg brauchst Du nur fünf Minuten länger. Letzteres kann ich aus persönlicher Erfahrung wärmstens empfehlen (haha, was für ein Wortspiel bei einer Sauna ;-))

Über das Museum Lüneburg habe ich hier ja schon häufiger geschrieben. Du magst den Eindruck haben, dass ich dafür Geld bekomme – was nicht der Fall ist. Das Museum Lüneburg macht einfach eine gute Pressearbeit und, das möchte ich an dieser Stelle einmal sagen, nimmt mich und mein Blog ernst. Ich werde regelmäßig mit interessanten Informationen versorgt und zu den Presseterminen eingeladen. Erst kürzlich durfte ich bei der Vorstellung der aktuellen Sonderausstellung „Natur im Porträt – Der Maler Jürgen Freiherr v. Wolff“ einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Kuratorin Lea Friederike Schott treffen. Ich habe mich entschlossen, daraus keinen separaten Blogbeitrag zu machen, möchte die Ausstellung aber an dieser Stelle dennoch entsprechend würdigen.

Links: Lea Friederike Schott (links) und Prof. Dr. Heike Düselder präsentieren ein unfertiges Werk des Künstlers. Rechts: das Original Monokular des Malers (ein Fernglas, durch das man mit nur einem Auge schaut).

Wenn Du, wie ich, noch nie vorher etwas von diesem Maler gehört hast, brauchst Du Dich nicht schämen. Sogar Wikipedia muss hier ausnahmsweise passen. Doch die Tier- und Landschaftsbilder zeugen von einer großen Liebe zur Natur und einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe des Künstlers. Zudem hat er eine interessante Vita, in der Lüneburg eine Rolle spielte. Geboren 1899 in Riga (heute Lettland), ging es zum Studium nach München und von dort weiter nach West- und Ostpreußen, wo er viele Jahre verbrachte und eine Familie gründete. Von 1946 bis 1952 lebte Jürgen Freiherr v. Wolff in Lüneburg. 1952 schließlich ging er nach Äthiopien, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. So kommt es, dass auch die Tiere Afrikas in der Ausstellung eine Rolle spielen. Der Schwerpunkt liegt aber auf der heimischen Tierwelt. Leider reichten die Einkünfte des Künstlers nicht, um die Familie nachzuholen. Als er schwer erkrankte kehrte der Maler schließlich 1972 nach Lüneburg zurück, wo er 1975 verstarb. Seine Grabstätte findest Du heute auf dem Waldfriedhof.

Kunst und Natur

Nun ist das Museum Lüneburg ja eher ein Ort für Kultur- und Naturgeschichte. Und so ist diese Sonderausstellung auch keine reine Kunstausstellung. Denn die Skizzen und Bilder des Malers werden ergänzt durch Präparate, also einfach gesagt ausgestopfte Tiere, und Schautafeln. Das Museum Lüneburg verfügt zwar über nicht wenige Präparate, dennoch machte sich die Kuratorin auf den Weg, weitere aus anderen Sammlungen zu besorgen.

Das Highlight ist ein beeindruckend großer Rothirsch, der als Leihgabe aus dem Naturhistorischen Museum Berlin nach Lüneburg gekommen ist. Die letzten Meter innerhalb des Museumsgebäudes legte das stattliche Tier auf der Rolltreppe zurück, da es nicht in den Aufzug passte. „Das war schon etwas skurril“, erinnert sich Museumsdirektorin Prof. Dr. Heike Düselder. Mich hat besonders das Präparat eines Rehkitzes berührt, das Lea Friederike Schott aus Hannover ausgeliehen hat. Das Tier muss wohl nur zwei oder drei Tage alt geworden sein, weiß die gelernte Ökologin.

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hKAdZ3TfSkCgjqhpkuWWNw_thumb_10b62Auf das Deutsche Salzmuseum habe ich ja bereits mehrfach hingewiesen. Leider habe ich es immer noch nicht geschafft, dort einen Besuch zu machen. Hunde sind in beiden Museen nicht gestattet – wofür ich durchaus Verständnis habe. Mein pubertierender Beagle ist aber derzeit recht betreuungsintensiv, daher muss das Salzmuseum noch etwas warten.

Am Deutschen Salzmuseum gibt auch von außen einiges zu sehen.

Auch zu einem ausführlichen Besuch der Hipgnosis-Ausstellung in der KulturBäckerei hat es leider nicht gereicht, aber immerhin konnte ich bei der Ausstellungseröffnung einen kurzen Blick auf einige der Plattencover werfen und der Stimme von Musik-Legende Peter Urban lauschen. Derzeit läuft dort in der Kunsthalle (Erdgeschoss) eine Ausstellung der Künstlerin Simone Fezer – die Bilder auf der Website sehen spektakulär aus! Im Artrium (1. OG) stellt der Lüneburger Foto- und Konzeptkünstler Ralf Peters seine Werke aus. Der Eintritt zu beiden Ausstellungen ist übrigens frei

Legendäre Plattencover von Pink Floyd (links) und 10CC bei der Hipgnosis-Ausstellung.

Das Kloster Lüne ist, genauso wie das Rathaus, nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Die Saison beginnt allerdings erst am 1. April. An der Führung hier gab es nichts zu meckern, ganz im Gegenteil – wie Du in meinem Blogbeitrag lesen konntest.

Wenn Dir eher nach einer sportlichen Aktivität zumute ist, habe ich zwei Tipps für Dich – wenn auch bisher ohne persönliche Erfahrung:

Schlittern oder Klettern?

Wie wäre es wieder einmal mit Schlittschuhlaufen? Ich habe es als Kind immer geliebt, und warum nicht auch als Erwachsener noch einmal auf die Kufen steigen? Du solltest Dich aber beeilen, denn das Walter-Maack-Eisstadion in Adendorf beendet am 17. März die Saison. Vorher gibt es am 9. März noch einmal eine Eisdisco.

Klettern hingegen ist ein Sport, den Du ganzjährig in der Halle betreiben kannst. Klettern ohne Gurt und Seil nennt man Bouldern. Wenn Du also hoch hinaus möchtest, dann besuche doch einmal das Kraftwerk. Die Website sagt, dass Du hierfür weder persönliche Vorerfahrung oder spezielle körperliche Voraussetzungen noch eine besondere Ausrüstung brauchst. Der Älteste regelmäßige Besucher soll 77 Jahre alt sein. Aber Vorsicht: ich habe gehört, klettern soll süchtig machen 😉 Vielleicht habe ich es deshalb bisher noch nicht versucht.

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© Klaus-Uwe Pacyna / pixelio.de

Ein Zeitvertreib der sich mir ehrlich gesagt bis jetzt noch nicht erschlossen hat sind sogenannte Escape Rooms. Der Lüneburger Escape Room trägt den kreativen Namen Salzlösung. Das erinnert mich leider an einen uralten doofen Witz, für den ich mich bereits im Voraus entschuldige: Was ist ein Mann in Salzsäure? – Ein gelöstes Problem! (sorry….). Ich bin überzeugt, aus dieser Salzlösung sind bisher alle lebend herausgekommen. Aber falls mir mal jemand erzählen mag, worin hier der Reiz liegt – ich lerne gerne dazu. Ob ich mich wirklich freiwillig in einen verschlossenen Raum sperren lassen und dafür noch Geld bezahlen möchte, muss ich mir allerdings noch schwer überlegen.

Dass wir ein Theater, zwei Kinos sowie zahlreiche Aufführungen in der KulturBäckerei haben, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Aus aktuellem Anlass möchte ich jedoch noch einmal auf ein ganz besonderes kulturelles Highlight hinweisen: Heute und morgen hast Du noch Gelegenheit, Dir in der psychiatrischen Klinik Lüneburg das Musical Mental Home anzuschauen. Langsam geht es schon in die Endrunde, die letzten Aufführungen finden am 21. und 22. März statt. Ich schaue es mir heute Abend endlich an und freue mich schon sehr. Sehen wir uns?

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3 Kommentare zu „Lüneburg drinnen, oder: Es gibt kein schlechtes Wetter

    1. Thank you Dexter. I don’t think the weather is your fault. Actually it’s quite normal for that time of the year and region, but we were spoiled in February. Yes, Lueneburg is a very nice place! We only moved here 2 years ago and look forward to further exploring the surroundings, especially with our lovely Beagle boy. You can follow Piet on instagram: @piet_the_beagle

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