Prinz Piet der Erste – ein Hundeleben in Lüneburg

Es ist ein Junge! Seit dem 12. Oktober sind wir zu dritt! Ich bin schwer verliebt! Und leide unter Schlafmangel…..

Lüneburg hat einen neuen Einwohner. Er hat vier Pfoten, eine feuchtkalte Nase, Schlappohren und heißt Piet. Der Vollständigkeit halber: Piet von Rekkas Holzhütte. Und trotz seiner adligen Herkunft verhält sich der kleine Beagle alles andere als vornehm. Er knabbert an Decken und Kissen – mit Vorliebe an den edelsten und teuersten – , buddelt Löcher in die Erde, reißt Grasbüschel aus der Wiese und bellt, wenn er nicht gefragt wird. Aber wenn er in den ungewöhnlichsten Positionen in seinem Körbchen schlummert oder mir morgens das Hundefutter aus der Hand frisst, ist er der liebste Hund der Welt. Und der schönste sowieso.

Mein ganzer Tagesablauf richtet sich nun nach diesem kleinen wilden Wesen. Das Lotterleben ist vorbei: morgens geht es früh raus. Und dann mehrmals am Tag, je nach Piets Bedürfnissen, die er leider noch nicht ganz so äußern kann, wie ich es mir wünschen würde. Da bleibt so einiges an Blogthemen auf der Strecke. Daher mache ich jetzt aus der Not eine Tugend und erzähle Euch von meinen Erfahrungen mit Hund in Lüneburg.

 

Ich muss gestehen: von Geburt an ist Piet kein Lüneburger. Genau wie ich, da haben wir also etwas gemeinsam. Er wurde am 7. August in Stemmen, Landkreis Rotenburg (Wümme) geboren. Somit ist er also vom Sternzeichen Löwe, auch das haben wir gemeinsam. Vielleicht sollte es mich daher nicht wundern, dass er auch mein Temperament hat.

Rassehund oder Mischling? Züchter oder Tierheim?

Die Entscheidung für einen Beagle fiel gegen jede Vernunft. Es war einfach Liebe. Als kleines Kind hatte ich einen Stoff-Snoopy, und Snoopy ist bekanntermaßen ein Beagle. Es gibt viele Hunde, große und kleine, und es gibt sicherlich Hunderassen, die vom Wesen her etwas unkomplizierter und anspruchsloser sind. Letztendlich ist der Beagle ein Jagdhund: Er braucht viel Bewegung und Beschäftigung, ist verfressen und hat seinen eigenen Kopf. Und – wie jedes Kind – braucht auch ein Hundekind klare Grenzen. – Komm sofort runter vom Sofa, Piet! Auf der anderen Seite sind Beagle fröhliche und freundliche Hunde. Und ich finde sie einfach wunderschön – aber das ist natürlich Geschmacksache. Mit einer Höhe von 33 bis 40 Zentimetern und einem Gewicht von maximal 18 Kilogramm hat der Beagle eine mittlere Größe und in der Regel eine robuste Gesundheit. Hundehaare in der Wohnung gehören zwar zum Alltag, und die Schlappohren müssen regelmäßig untersucht und sauber gehalten werden, aber ansonsten ist er nicht besonders pflegeintensiv.

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Snoopy forever!

Wir haben uns bewusst für einen Rassehund entschieden. Auch wenn jedes Tier ein Individuum ist, so haben wir uns hiervon einfach etwas mehr Sicherheit versprochen. Man weiß zumindest ungefähr, was man kriegt. Der Beagle Club Deutschland ist Mitglied im Verband für das Deutsche Hundewesen und hat somit ein Auge auf die Züchter. Selbstverständlich spricht überhaupt nichts gegen einen Mischling. Und auch Tiere aus dem Tierheim brauchen ein Zuhause. Aber da es mein erster Hund ist, wollte ich mich auf ein solches Experiment nicht einlassen. Bei der Suche nach einem Züchter oder einer Züchterin fiel unsere Wahl sehr schnell auf Rekka Indorf. Ihre Website ist zwar nicht die professionellste aber die liebevollste! Und unser Eindruck bestätigte sich beim ersten Besuch dort.

 

Piet (5 Wochen alt) und seine neun (!) Geschwister bei unserem Besuch im September.

Du trägst Dich auch mit dem Gedanken, Dir einen Hund anzuschaffen? Dann möchte ich Dir zwei Bücher als Einstiegslektüre empfehlen:

  • Hunde – Das große Praxishandbuch: Wirklich ein Standardwerk mit Rundum-Wissen, und das zum kleinen Preis. Hier erfährst Du auch einiges über die unterschiedlichen Hunderassen und ihre Merkmale.
  • Lassie, Rex & Co. : Hier geht es in erster Linie um die Erziehung der Welpen. Aber auch einige Themen rund um die Anschaffung eines Hundes werden zu Beginn behandelt. Sehr witzig geschrieben und originell illustriert.

Probe-Gassigehen mit Tierheim-Hunden

Falls Du in Erwägung ziehst, einen Hund aus dem Tierheim zu holen: Auf der Seite des Tierheims Lüneburg findest Du eine Vielzahl von Hunden, die ein neues Zuhause suchen. Wenn Du Dir die Tiere einfach einmal anschauen möchtest, kannst Du das zu den Besuchszeiten tun. Darüber hinaus hast Du die Möglichkeit, außerhalb der Besuchszeiten einen Hund zum Spaziergang abzuholen. Dazu gibt es spezielle Gassigehzeiten. Ich finde, das ist eine tolle Idee, um es einfach einmal auszuprobieren.

Der Hundeführerschein – Therie und Praxis für Hund und Herrchen

Immer wieder liest man von Hunden, die Menschen angreifen oder gar tödlich verletzen. Lange galten bestimmte Hunderassen als „gefährlich“. In den vergangenen Jahren hat sich aber mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Ursache häufig in der Inkompetenz des Hundehalters liegt. Daher wurde die bundesweit einheitliche Sachkundeprüfung ins Leben gerufen. In einigen Bundesländern – und Niedersachsen gehört dazu – ist nun der sogenannte D.O.Q.-Test 2.0 (Dog-Owner-Qualification) verpflichtend. Die Prüfung besteht aus einem theoretischen Teil, der vor Anschaffung des Hundes absolviert werden sollte, und einem praktischen Teil, der innerhalb eines Jahres gemeinsam mit dem Hund abgelegt wird.

 

Im Hanseviertel gibt es für Piet noch viel zu entdecken.

Umgangssprachlich wird der Test auch als „Hundeführerschein“ bezeichnet, was der Sache tatsächlich sehr nahekommt. Wenn Du nachweisen kannst, dass Du innerhalb der letzten zehn Jahre bereits einen Hund gehalten hast, bist Du von dieser Pflicht befreit. Zur Vorbereitung empfehle ich Dir, das Buch Sachkunde für Hundehalter durchzuarbeiten. Ich habe die Prüfung bei Frau Dr. Schneider in der Tierarztpraxis Adendorf abgelegt. Auch in der Tierklinik Lüneburg gibt es eine Tierärztin, die die Prüfung abnimmt. Weitere Prüfer findest Du auf der oben angegebenen Website. Ich muss gestehen, es war etwas lästig, hinzu kommen Kosten von 60 Euro, aber eigentlich finde ich es sinnvoll, dass man als Hundehalter gezwungen ist, sich eine gewisse Sachkunde anzueignen.

So wird Dein Hund ein Lüneburger

Ein anderes wichtiges Thema ist die Hundehaftpflichtversicherung. Im Internet findest Du eine Vielzahl von Versicherungen, die Du teilweise auch online abschließen kannst. Die Deckungssummen mögen Dir hoch erscheinen. Aber bedenke, dass Du wirklich für alles haftest, was Dein Hund anrichtet – und mögliche Folgekosten. Stell Dir vor, Dein Hund läuft vor ein Auto, es gibt einen Verkehrsunfall, möglicherweise mit schweren Konsequenzen…. Den Versicherungsschein und den Nachweis der Sachkundeprüfung musst Du bei der Anmeldung des Hundes bei der Stadt vorlegen.

 

Nun ist Piet also ein richtiger Lüneburger!
Auch die Kanaldeckel mit der „Mons, Pons, Fons„-Formel gefallen ihm.

Und damit sind wir beim nächsten Aktions- und Kostenpunkt: Selbstverständlich musst Du Deinen Hund ordnungsgemäß anmelden und Hundesteuer zahlen. Die Informationen dazu auf der Website der Hansestadt sind nicht ganz auf dem neuesten Stand und etwas verwirrend, daher erwähne ich es hier noch einmal: Der Bereich Steuern der Hansestadt Lüneburg befindet sich in der Reitende-Diener-Straße 17 (das ist gleich hinterm Rathaus) und die zuständige Mitarbeiterin sitzt in Zimmer 6. Die Hundesteuer beträgt 84 Euro pro Jahr. Zur Anmeldung darfst Du Deinen Hund gerne mitbringen – ich habe extra gefragt 🙂 Der link zu den Formularen auf der Website funktioniert leider auch nicht. Auf Anfrage schickte mir die freundliche Mitarbeiterin das Formular vorab per E-Mail zu.

Darüber hinaus musst Du Deinen Hund beim Hunderegister Niedersachsen registrieren lassen. Das geht ganz einfach online und kostet einmalig 17,26 Euro.

Viele neue Eindrücke für den Neu-Lüneburger

Mein Besuch beim Amt war gleichzeitig Piets erster Besuch in der Innenstadt. Denn schließlich wollte ich den Kleinen noch nicht so lange alleine lassen. Außerdem soll man dem Welpen in den ersten Wochen im neuen Zuhause gleich viele neue Eindrücke verschaffen: Kontakte mit anderen Menschen und Hunden, andere Umgebungen etc. Da er aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so lange Strecken laufen darf, musste ich das Auto nehmen und im Parkhaus parken. Das Ganze war ein etwas mühsames Unterfangen, denn wir kamen zu Fuß nicht so recht voran: Zum einen, weil mein kleiner Schnüffler permanent mit der Nase am Boden war, um die ganzen neuen Gerüche aufzunehmen. Zum anderen, weil alle paar Meter jemand anhielt und sagte „ooooohhhhh wie süüüüüüüßßßßß“.

Auch ein Hund muss in die Schule

Der Ernst des Lebens begann für den kleinen Piet jedoch bereits früher. Denn schon eine Woche nachdem er bei uns eingezogen war, ging es zum ersten Mal in die Hundeschule. Wir haben uns für die Hundeschule Hundegedanken entschieden. Hier gibt es spezielle Welpenkurse, und der Hundeplatz in Melbeck ist mit dem Auto gut zu erreichen. Die Stunde besteht immer aus freiem Spielen der Hunde einerseits und kleinen Trainingseinheiten andererseits. Hundetrainerin Monique Rieckmann macht das sehr gut.

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In der Hundeschule steht immer auch Spielen auf dem Programm.

Nun ist Piet bereits mehr als vier Wochen bei uns. Ein Anfang ist gemacht. Aber was die Erziehung des kleinen Rackers angeht, so liegt noch ein weiter Weg vor uns. – Nein, Piet, nicht am Geschirr knabbern! Liebe und Konsequenz, so laute die Devise, hat uns die Züchterin mit auf den Weg gegeben. Nun, an der Liebe soll es nicht scheitern. Mit der Konsequenz ist das so eine Sache….. Prinz Piet der Erste muss noch lernen, dass er zwar ein Prinz ist, aber eben nie König werden wird! Auch wenn er noch so erhaben von seinem Thronsessel schaut (dessen Innenleben er übrigens am nächsten Tag bereits nach außen gekehrt hat).

IMG_3412Am meisten aber müssen wohl wir lernen, Herrchen und Frauchen. Eine Aufgabe, die uns, und vor allem mich, noch die nächsten Monate beschäftigen wird. Denn kaum ist so ein kleines Hundekind dem Welpenalter entwachsen, kommt die Pubertät. Und die soll es in sich haben, besonders bei Rüden. Oft sprechen mich Leute an und sagen: „Ach, wenn die doch so klein blieben!“ Das sehe ich anders!

Hinaus in die große weite Welt?

Ich freue mich darauf, wenn Piet aus dem gröbsten raus ist. Vor allem darf er dann auch längere Spaziergänge machen, mit Joggen gehen und neben dem Fahrrad herlaufen. Aber das wird wohl erst im nächsten Sommer soweit sein. Bis dahin sind wir hier im Hanseviertel ganz gut aufgehoben. Denn direkt hinter unserem Haus führt ein Schotterweg durchs Viertel. Hier treffen wir immer viele andere Hunde. Und wenn die Strecken etwas länger werden, sind wir schnell im Wald Richtung Ebensberg. Aber sicher werden wir auch einmal das Auto nehmen – zum Glück macht Piet das gerne – und beispielsweise zum Liebesgrund oder zum Kurpark fahren.

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Im Kurpark (oben) und im Liebesgrund (unten) kann man bestimmt prima Hunderunden drehen. (Fotos: © Norbert Falkenhagen, germanfoto.de)

Vor kurzem haben wir auch hier im Viertel endlich einmal eine Beagle-Dame getroffen. Von deren Frauchen erfuhr ich, dass es einen Beagle-Treff gibt. Den werden wir sicher bald einmal besuchen, sobald Piet mit den letzten Impfungen durch ist. Ähnliche Gruppen gibt es bestimmt auch für andere Rassen. Und das Tierheim Lüneburg bietet zweimal wöchentlich die Möglichkeit, sich auf dem beaufsichtigten Hundespielplatz auszutoben.

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Piet mit der Beagle-Dame Biene 

Zum Schluss möchte ich Dir noch speziell für Lüneburg zwei Facebook-Seiten bzw. Gruppen empfehlen: Lüneburger Tiervermittlung/Tausch und Infogruppe und Auf vier Pfoten. Schau doch mal rein! Und falls Du mehr Fotos und Videos von Piet sehen möchtest, kannst Du ihm auf Instagram folgen. Er hat dort schon genauso viele Follower wie ich. Du kannst natürlich auch gerne mir folgen 🙂

Außerdem recherchiere ich gerade, in welchen Lüneburger Gastronomiebetrieben Hunde willkommen sind. Fürs Erste möchte ich erwähnen: Krone, Mälzer Brauhaus, Zum Alten Brauhaus, Anna’s Café und Die Meyerei. Weitere Tipps folgen.

So, Piet, ich glaube wir gehen jetzt besser noch mal Gassi. Was meinst Du?

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10 Kommentare zu „Prinz Piet der Erste – ein Hundeleben in Lüneburg

  1. Liebevoll, lustig und ausführlich geschrieben😍🐾❤. Prinz Piet’s Großtante wurde die Gewinnerin auf der Weltausstellung😊. Pia Sophie habe ich behalten. Sie ist ein süßer, frecher Schatz und grüßt Bruder Piet von Rekkas Holzhütte🐶. Das Wichtigste sind Gesundheit und Wesen.😘Viele Küsse nach Lüneburg, herzlichst Rekka (Züchtermama) und Mama Zamira mit Tochter Pia Sophie😍❤🎊

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  2. Hallo Ruth, na das ist doch mal ein herzerfrischender Beitrag, der mein Hundeherz strahlen lässt! Toll das es Piet geworden ist. Da ihr Biene ja schon kennt, wird sich euer zukünftiger Lebensplanungsschwerpunkt sicher freuen die restlichen uns bekannten ca. 28 Beagle aus und um Lüneburg kennen zu lernen. Kontaktieren mich bitte bevor ihr mal vorbeischauen wollt! LG und durchhalten!

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    1. Hallo Andreas, schön, dass mein Beitrag Dir gefallen hat! Ich freue mich schon auf den Beagle-Treff! Ich möchte noch die finale Impfung in zwei Wochen abwarten. Dann komme ich gerne einmal mit Piet vorbei. Tendenziell eher Donnerstags, also dann ja vielleicht am 6.12. Ich melde ich aber vorher noch einmal. LG Ruth

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  3. Bei „Zeitgeist“ sind sogar große Hunde willkommen und bekommen immer frisches Wasser serviert, Im Coffeeshop No. 1 liebt Barny die Bedienung sehr, denn dort bekommt er ein Leckerli 🙂

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  4. Und „Café Bernstein“ ist auch hundefreundlich. „Osteria“ geht ohne Weiteresw. Vielleicht solltest du eher Läden sammeln, die Hunde nicht willkommen heißen? Ich glaube, die meisten Lokale sind hundefreundlich.

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    1. Meinst Du die Osteria am Stint oder L’Osteria an den Reeperbahnen? Letztere hat mir schon das ok gegeben. Aber von der ersteren finde ich keine Kontaktdaten. Nur eine mit dem gleichen Namen in Häcklingen.

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