Die Keiler sind los – American Football in Lüneburg

R – A – Z – O – R – B – A – C – K – S schallt es aus dreißig Männerkehlen über den Platz. Die Lüneburg Razorbacks sind beim Aufwärmtraining. Da gehören Schlachtrufe dazu.

Seit 1989 gibt es American Football in Lüneburg. Teams wurden gegründet und wieder aufgelöst. Seit 2013 sind die Razorbacks am Start. Das Logo erinnert nicht zufällig an die berühmte Lüneburger Salzsau. Aber dieses Wildschwein ist eindeutig männlich und zeigt kampfbereit seine Hauer. Das Wort Razorback steht im Englischen eigentlich für eine Art verwildertes Hausschwein. Aber vielleicht hätte „Lüneburg wild boars“ auch nicht so gut geklungen.

Eindeutig weiblich wiederum ist Dajana Weber, die einzige Frau auf dem Platz. Sie ist die Chefin, aber das mag sie eigentlich gar nicht so gerne hören. Nichtsdestotrotz, sie leitet die Abteilung American Football bei der Lüneburger Sportvereinigung von 1913 e.V., das heißt, sie kümmert sich um das Organisatorische und ist Ansprechpartnerin für die Spieler. 86 Mitglieder hat die Abteilung derzeit, davon ungefähr 50 Aktive. Bei einem Spiel treten um die 30 davon an. Denn im Gegensatz zum Fußball darf hier während des Spiels fast unbegrenzt ausgewechselt werden.

Hart aber fair

Elf Spieler pro Manschaft und ein Ball – soweit bekannt aus dem Fußball. Aber das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Was unterscheidet American Football vom Fußball, frage ich Mark Düffert, einen der fünf Trainer, die hier Coaches heißen, denn alles ist ein bissschen amerikanisch. „Das Spiel ist variationsreicher und sehr strategisch. Es geht hart zu, aber immer fair. Dafür sorgt das komplexe Regelwerk“, erläutert er.

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© Lea Düffert

Und was ihm – und mir – besonders gefällt: Im American Football sind die unterschiedlichsten Typen gefragt: kleine und große, dicke und dünne. Die jüngsten Spieler sind 18, der älteste wird in diesem Jahr 50. Düffert, der im „wirklichen Leben“ bei der Sparkasse Lüneburg arbeitet, hat selbst von 1991 bis 2009 gespielt. Jetzt ist er Offense Coordinator, das heißt er trainiert die angreifenden Spieler. Defense Coordinator Johannes Feddern kümmert sich um die verteidigenden Spieler. Drei weitere Coaches ergänzen das Team. Darüber hinaus gibt es einen Physiotherapeuten und eine Krankenschwester.

Version 2
Ben Boles wollte einmal am Training teilnehmen.

Außer mir ist heute noch ein anderer Gast dabei: Lünepost-Reporter und Musiker Ben Boles möchte einmal mit den Jungs trainieren. Er wird selbstverständlich mit der entsprechenden Schutzkleidung ausgestattet. Nach dem Aufwärmen trainieren die Spieler in kleinen Gruppen, sogenannten Units. Denn die Spieler der Offense müssen ganz andere Qualitäten haben als die Defense-Spieler.

Mark Düffert erlaubt mir einen kurzen Blick in seine Unterlagen, in der Spielzüge und Formationen dargestellt sind. Das genügt – weiter möchte ich in das komplexe Regelwerk gar nicht  einsteigen. Ich habe ja bis heute nicht einmal die Abseitsregel im Fußball verstanden. Aber von den Footballspielen, die ich früher in Düsseldorf gesehen habe, erinnere ich, dass die Stimmung immer gut war.

Eine Jugendmanschaft gibt es leider derzeit nicht. Daher ist ein Einstieg erst mit 18 Jahren möglich. Aber die meisten Spieler haben früher andere Sportarten ausgeübt. „Im Idealfall kommen sie vom Handball“, sagt Düffert. Denn zwischen den beiden Sportarten gebe es viele Gemeinsamkeiten, beispielsweise den Körperkontakt.

Mücken stehen auf Footballspieler

Trainiert wird zweimal in der Woche, Dienstag- und Donnerstagabend, auf dem Sportplatz an der Schützenstraße in Neu Hagen. Im Hintergrund ragen die Hochhäuser von Kaltenmoor in den Himmel. Das Moor lässt noch immer grüßen: Mücken sind hier leider an der Tagesordnung. Und die lieben den herb-würzigen Geruch der verschwitzten Spieler….Im Winter  trainieren die Razorbacks in der Halle, dann auch nur einmal wöchentlich.

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© Razorbacks

Die Razorbacks spielen seit dieser Saison gemeinsam mit vier anderen Manschaften in der Verbandsliga Nord, das ist die fünfte von insgesamt sechs Ligen in Deutschland. „Aufgestiegen oder abgestiegen?“ frage ich zögerlich. „Aufgestiegen“, sagt Düffert mit einem breiten Grinsen. Beim ersten Spiel der Saison geht es am kommenden Samstag gegen die Norderstedt Mustangs. Für gute Stimmung soll auf jeden Fall gesorgt sein: Musikanlage und Stadionsprecher sind vorhanden. Das hört sich alles schon sehr beachtlich an für eine Hobbymanschaft, finde ich.

Ben Boles hat nach den ersten Trainingseinheiten genug für heute. „Ab jetzt würde ich nur noch stören“, sagt er, als er sich den Helm vom Kopf zieht und die verschwitzte Frisur zeigt. Und wahrscheinlich hat er damit recht. Wie diese Erfahrung für ihn war, kannst Du nächste Woche in der Lünepost lesen.

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© Lea Düffert

 

Mir wiederum ist ziemlich kalt geworden an diesem Aprilabend, denn ich habe ja nur zugeschaut. Für das Spiel am Samstag hoffe ich auf etwas wärmere Temperaturen. Anschauen will ich es mir aber auf jeden Fall. Bist Du dabei?

Samstag, 28. April 2018, 15.00 Uhr, Eintritt frei!
Lüneburg Razorbacks : Norderstedt Mustangs
A-Platz des LSV, Schützenstraße 31

Ich bedanke mich bei Dajana Weber und Mark Düffert für die netten Gespräche sowie für die bereitgestellten Fotos.

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© Lea Düffert

 

 

 

 

 

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