Fast unsichtbar und doch ganz wichtig – Komparsen bei Rote Rosen

Das Thermometer zeigt minus sechs Grad, als an einem Montag im Januar mein Telefon klingelt. „Hast Du heute mittag Zeit, als Komparsin beim Außendreh einzuspringen?“ Natürlich sage ich sofort ja. Mein erster Außendreh! Dreimal war ich bereits im Studio dabei. Gedreht wird heute in der Heiligengeiststraße. Es ist schon das zweite Mal, dass ich mit den Darstellern der neuen Staffel drehe. Dennoch sind mir einige Gesichter noch völlig fremd. Denn die Folgen werden erst ungefähr drei Monate später im Fernsehen zu sehen sein.

Bereits seit 2006 läuft die Telenovela Rote Rosen über deutsche Bildschirme. Was zunächst nur für 100 Folgen geplant war, wurde ein großer Erfolg. Mehr als 2600 Folgen wurden mittlerweile gezeigt und wir sind in der 15. Staffel angelangt. Die Serie ist zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Lüneburg geworden – ein Glücksfall für die Stadt, die sich gegen Hannover bei der Wahl des Drehortes durchsetzte: Es gibt spezielle Rote Rosen-Stadtführungen, Studioführungen, einen Fanshop und sogar einmal jährlich einen Fantag. Die Übernachtungszahlen steigen stetig und es wurden ungefähr 150 neue Arbeitsplätze geschaffen – und das beinhaltet natürlich nicht die Komparsen.

Auf einen Kaffee mit Gunter Flickenschild

Bei den kalten Temperaturen heißt es ordentlich warm einpacken. Denn zwischen den Einsätzen steht man doch ziemlich viel herum. Wir sind nur drei Komparsen heute. Bei längeren Pausen können wir uns zum Glück in der Heiligengeistschule aufwärmen. Und selbstverständlich werden wir auch mit heißen Getränken vom Cateringwagen versorgt.

Im Prinzip kann jeder mitmachen, der Zeit hat und mindestens 18 Jahre alt ist. Für viele Auftritte solltest Du allerdings ein paar halbwegs vorzeigbare Business-Outfits zum Wechseln haben, und das möglichst für jede Jahreszeit. Denn meistens spielen die Komparsen Restaurant- oder Hotelgäste. Da es sich beim Hotel Drei Könige (das in Wirklichkeit Hotel Bergström heißt) um ein gehobenes Haus handelt, sollte man da schon einigermaßen gepflegt aussehen. Gedreht wird nicht immer chronologisch, sondern an einem Tag werden Szenen produziert, die hinterher in bis zu fünf verschiedenen Folgen zu sehen sind. Daher muss auch mal schnell ein Oberteil gewechselt werden. Wenn der Regieassistent/die Regieassistentin „Wechselblazer“ sagt, wissen Eingeweihte Bescheid. Auch als Spaziergänger für den fiktiven Salzmarkt, der nur im Studio existiert, werden häufig Komparsen benötigt. Und dann gibt es natürlich auch noch die Außendrehs. Leider hatte ich bis jetzt noch nicht das Vergnügen auf „Gut Flickenschild“, einem Hof in Neetze, drehen zu dürfen.

Restaurantgast im Carla’s und Hotelgast im Drei Könige

Im September vergangenen Jahres war ich zum ersten Mal dabei. Wir drehten im Restaurant „Carla’s“, das von außen das Marina Café im Hotel Bergström ist, von innen aber im Studio nachgestellt wird, genau wie die Hotelrezeption. Ich hatte Glück, denn gleich bei der ersten Szene saß ich einer erfahrenen Komparsin gegenüber. Sie erklärte mir, dass wir so tun müssen, als ob wir uns unterhalten, das aber möglichst lautlos. „Erzähl mir einfach irgendetwas. Der Film, der in Deinem Kopf abläuft, ist ein ganz anderer als der, der in meinem abläuft“, das fand ich einleuchtend. Es ist aber trotzdem am Anfang etwas ungewohnt. Man neigt zum Flüstern, was man aber auf jeden Fall vermeiden sollte. Außerdem führt das häufig dazu, dass man die Köpfe zusammensteckt, und das sieht dann total unnatürlich aus. Auch solltest Du auf keinen Fall in die Kamera schauen!

In noch einer einer Hinsicht hatte ich Glück: Ich war nicht nur Restaurant- und Hotelgast sondern auch gleich Mitglied der Werbegemeinschaft! Das war schon eine ziemlich prominente Position – an einem Tisch mit Helen, Eliane, Carla und Erika! Da durfte sogar ausnahmsweise die Maske mal Hand anlegen bei uns Komparsen und uns ein wenig abbpudern. Normalerweise musst Du Dich als Komparsin um dein Make-up selbst kümmern.

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Im Kreise der „Werbegemeinschaft“ an einem Tisch mit Eliane (Samantha Viana), Carla (Maria Fuchs), Helen (Patricia Schäfer) und Erika (Madeleine Lierck-Wien).

Noch einmal zurück zum Thema Kleidung. Die muss zwar einigermaßen gediegen sein, aber es wäre natürlich doof, wenn alle in schwarz kommen. Andererseits müssen es aber auch möglichst gedeckte Farben sein, außerdem – aus kameratechnischen Gründen – keine kleinen Muster, und es dürfen keine auffälligen Marken-Logos zu erkennen sein. Rot ist selbstverständlich tabu – Du willst ja nicht der Hauptfigur die Show stehlen! „Ihr müsst unauffällig sein wie die Zinnsoldaten“, hat mal ein Regieassistent gesagt. Du brauchst also nicht zu glauben, dass Du als Komparse berühmt wirst. Aber ich finde es schon ein cooles Gefühl, wenn ich mich dann im Fernsehen sehe. Seitdem sehe ich auch die Komparsen mit ganz anderen Augen. Ich freue mich immer, wenn ich jemanden erkenne. Wir müssen zwar unauffällig sein, aber wir sind wichtig! Stell Dir ein leeres Restaurant oder eine verwaiste Hotelrezeption vor!

Auf dem Heimweg vom Elternabend mit Merle und Gunter

Du siehst, das mit den Klamotten ist gar nicht so einfach. Also prüfe Deinen Kleiderschrank…. Aber zur Not gibt es immer noch etwas im Fundus, wenn Du eine übliche Kleidergröße hast. Und dann ist da noch das Problem mit den Schuhen. Elegant müssen die natürlich sein, aber Krach machen dürfen sie nicht – ein Ding der Unmöglichkeit! Aber da gibt es einen Trick: es werden kleine Gummiplättchen unter die Schuhe geklebt. Darum kümmert sich Uschi, die nette Kostümbildnerin.

Die im Januar gedrehten Folgen liefen vor zwei Wochen, als hier endlich langsam Frühling wurde. Viel war aber dieses Mal von uns Komparsen nicht zu sehen: In einer Szene kommen Merle (Anja Franke) und Gunter (Hermann Toelcke) vom Elternabend der Kita. Gemeinsam mit meinem Komparsenkollegen gehe ich mit reichlich Abstand hinterher, weiter dahinter kommt dann die Dritte im Bunde und telefoniert mit ihrem Handy. In einer anderen Szene war gerade mal mein Rücken kurz zu sehen.

Rote Rosen - Logo
© ARD

Aber heute hatte ich wieder einen ganz besonderen Einsatz: als Teilnehmerin eines Workshops in der „Gärtnerei Albers“. Mehr darf ich natürlich an dieser Stelle nicht verraten…..

Lust, einmal Studioluft zu schnuppern?

Gezahlt wird übrigens gemäß Mindestlohngesetz. Das ist natürlich nicht mehr als ab und zu ein Taschengeld. Aber es macht einfach Spaß! Die Atmosphäre am Set ist sehr freundlich. Der Umgangston ist wirklich nett und auch Komparsen werden mit Respekt behandelt. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand unfreundlich geworden wäre. Unsere Arbeit wird gewürdigt und wir bekommen immer ein freundliches Dankeschön. Beim Dreh im Studio werden wir in der Kantine sehr gut verpflegt und beim Außendreh gibt es immer einen Cateringwagen.

Bewerben kannst Du Dich ganz einfach hier. Wenn Du einmal in der Komparsenkartei bist, wirst Du immer mal wieder angefordert. Du kannst Dich aber auch melden, wenn Du gerade Zeit und Lust hast, dabei zu sein. Allerdings sollte das nicht häufiger als alle sechs Wochen sein. Die Pläne für die kommende Woche werden immer am Donnerstag und Freitag gemacht. Vielleicht sehen wir uns beim nächsten Dreh?

Rote Rosen Folge 2641
Mit der äußerst sympatischen Anja Franke zu drehen, macht immer besonderen Spaß. Links und rechts Marija Mauer (Eteri) und Felix Jordan (Moritz) © ARD/Nicole Manthey

Titelfoto: (v.l.n.r.) Moritz Röder (Felix Jordan), Eteri Burdulli (Marija Mauer), Gregor Pasch (Wolfram Grandezka), Sonja Röder (Madeleine Niesche), Tilmann Oberberg (Björn Bugri), Eva Pasch (Andrea Lüdke) und Sibylle (Johanna Liebeneiner).
© ARD/Thorsten Jander

 

 

2 Kommentare zu „Fast unsichtbar und doch ganz wichtig – Komparsen bei Rote Rosen

  1. Hallo Ruth,

    Ein schöner Rote Rosen Artikel, der von dir ja schon damals angekündigt worden war. Ich glaube, da warst du zum ersten Mal Komparsin bei RR und du hattest mir dort von deinem Blog erzählt, den ich dann ja auch abonniert habe.
    Les ich alles immer wieder gerne. Vielleicht sieht man sich einmal wieder in der Lilienthalstr.

    Gruß Wolfgang

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    1. Hallo Wolfgang,
      vielen Dank! Ja, es hat in der Tat etwas gedauert, bis ich den Beitrag geschrieben habe. Zu viele andere Themen.
      Gerne mal wieder in der Lilienthalstraße – bei mir aber nicht vor Juni, denn ich war ja gerade erst da.
      Freut mich, dass Dir mein Blog gefällt 🙂
      Gruß Ruth

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