Sugar – Zuckersüßes im Theater Lüneburg

Männer in Frauenkleidern sorgen doch immer wieder für Unterhaltung. Von Charleys Tante (mit Heinz Rühmann, 1956, oder mit Peter Alexander, 1963) bis Mrs. Doubtfire (Robin Williams, 1993) waren sie immer wieder für einen Lacher gut. Da bildet die US-amerikanische Filmkomödie „Manche mögen’s heiß“ aus dem Jahre 1959 keine Ausnahme. Wer hat diesen herrlichen Schwarzweißfilm mit Marilyn Monroe, Jack Lemmon und Tony Curtis nicht schon mindestens einmal gesehen? Dass das Stück von Billy Wilder 1972 unter dem Namen „Sugar“ in einer Musicalversion herauskam, war mir wiederum neu. Am vergangenen Freitag habe ich mir das Musical im Theater Lüneburg angesehen.

Die Story ist schnell erzählt: Chicago, 1929. Die beiden arbeitslosen Musiker Joe (Saxophon) und Jerry (Kontrabass) werden Zeugen eines Massakers zwischen rivalisierenden Gangsterbanden und müssen fliehen. Zufällig sucht eine Swing-Band gerade gerade zwei Musiker mit genau diesen Instrumenten. Einziger Haken: es handelt sich um eine reine Frauen-Band. So wird aus Joe kurzerhand Josephine und Jerry entscheidet sich für den klangvollen Namen Daphne. Ausstaffiert mit Perücken und Frauenkleidern, heuern die beiden Damen bei der Band an und machen sich mit dem Nachtzug auf die Reise vom windigen Chicago ins sonnige Florida. Dass es unterwegs zu einigen Turbulenzen kommt, kann man sich gut vorstellen. Ganz besonders die attraktive Sängerin Sugar Kane hat es den beiden Musikern angetan – aber das dürfen sie sich natürlich nicht anmerken lassen.

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Auch ohne Perücken noch ganz schön weiblich: Kristian Lucas (Jerry/Daphne) und Gerd Achilles (Joe/Josephine); © t&w/Andreas Tamme

Die Blondine hat leider eine Schwäche für Saxonphonspieler und wurde gerade wieder einmal sitzengelassen, erfährt Joe alias Josephine. Nun ist sie auf der Suche nach einem Millionär, der ihren Lebensunterhalt sichern soll. In Miami hofft sie, fündig zu werden. Um Sugar’s Traum zu verwirklichen, verwandelt sich Joe in den Millionenerben „Junior“ und erobert ihr Herz im Sturm. Währenddessen kann sich Daphne kaum der Avancen Osgood Fieldings erwehren – eines „echten“ Millionärs, der allerdings nicht mehr der Jüngste ist.

Am Ende wird natürlich – wie könnte es anders sein – alles gut. Sugar liebt Joe auch noch, als der seine Tarnung als Millionenerbe fallen lässt. Und Osgood Fielding besteht darauf, Daphne zu heiraten, auch nachdem sie ihm gesteht, dass sie ein Mann ist, ganz nach dem Motto: „Nobody’s perfect!“.

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Ulrich Kratz als Millionär Osgood Fielding; © t&w/Andreas Tamme

Gesanglich haben mich insgesamt die Herren mehr begeistert als die Damen. Schon das erste Duett von Joe (Gerd Achilles) und Jerry (Kristian Lucas) war stimmlich auf ganz hohem Niveau. Und auch schauspielerisch überzeugen die beiden Männer in Frauenkleidern. Ganz besonders aber hat es mir der kräftige Bariton von Osgood Fielding-Darsteller Ulrich Kratz angetan.

Die Singstimme von Sugar-Darstellerin Merle Hoch war leider manchmal etwas zu leise. Objektiv gesehen hat sie ihre Rolle sicherlich gut gespielt. Ich fand sie irgendwie süß, aber nicht herausragend. Vielleicht ist das aber auch schwierig, wenn Marilyn Monroe die Messlatte ist. Die LZ sah das in ihrer Rezension der Premiere etwas anders. Das könnte aber auch daran liegen, dass die von einem Mann geschrieben wurde. Den Marilyn-Klassiker „I wanna be loved by you“ singt Merle Hoch jedenfalls wirklich schön und mit der nötigen Portion Naivität.

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Möchte doch eigentlich einfach nur geliebt werden: Merle Hoch als Sugar Kane; © t&w/Andreas Tamme

Besonders nett anzusehen waren die Damen und Herren vom Ballett – mal als Gangster in engen Nadelstreifenanzügen in den Straßen von Chicago, mal in knapper blau-weiß-geringelter Badekleidung am Strand von Miami. Da wurde sowohl dem weiblichen als auch dem männlichen Publikum einiges fürs Auge geboten. Auch beim Anblick der Mitglieder der Damenband in ihren leichten Nachtgewändern wird der eine oder andere Zuschauer geahnt haben, was mit „Manche mögen’s heiß“ gemeint ist.

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Turbulenzen im Schlafwagen von Chicago nach Miami; © t&w/Andreas Tamme

Sehr stark auch die Musiker der Lüneburger Symphoniker unter der Leitung von Ulrich Stöcker. Nur schade, dass das geschwätzige Lüneburger Publikum dies nicht  zu würdigen wusste: Sobald sich einmal auf der Bühne gerade nichts abspielte, wurde um uns herum gequatscht wie bei einem Kaffeekränzchen. Gerne hätte ich der Swing-Musik von Jule Styne ungestört gelauscht.

Die Inszenierung von Olaf Schmidt ist rasant und kunterbunt, die Choreographien sind schwungvoll und mitreißend. Auch das Bühnenbild von Barbara Bloch und die Kostüme von Claudia Möbius fand ich äußerst gelungen.

Wir hatten auf jeden Fall einen unterhaltsamen Abend. Das Publikum war insgesamt begeistert, es gab auch hier und da Szenenapplaus, am Ende aber keine Standing Ovations.

Die weiteren Vorstellungen für dieses Jahr sind bereits ausverkauft. Für die ersten beiden Januarvorstellungen gibt es noch Restkarten. Bis Ende Mai steht das Musical aber noch sechs weitere Male auf dem Programm. Wir saßen in Reihe 14 und damit im mittleren Preissegment. Das war völlig ausreichend, aber noch weiter hinten hätte ich nicht sitzen wollen.

Positiv überrascht hat mich, dass die Garderobe im Theater Lüneburg kostenlos ist! Dafür gibt man dann gerne ein kleines Trinkgeld oder investiert 2,50€ für das Programmheft.

P.S. Auch Geschenktipps für das bevorstehende Weihnachtsfest gibt das Stück: „Diamonds are a girl’s best friends“ 🙂

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Osgood Fielding (Ulrich Kratz) kann die Finger kaum von Daphne (Kristian Lucas) lassen; © t&w/Andreas Tamme

Titelfoto: © t&w/Andreas Tamme

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