Silvesterpunsch, ein weißes Bild und ein hungriger Wolf

Kaum hast Du den ersten Glühwein probiert, wird es auch schon langsam Zeit, an Silvester zu denken. Das Thomas Ney.Theater bringt Dich in der KulturBäckerei schon jetzt in die richtige Stimmung: „Silvesterpunsch mit Knalleffekt“, das Kult-Theaterstück mit Ekel Alfred und seiner dusseligen Kuh, steht wieder auf dem Programm. Und es gibt nur noch wenige Vorstellungen.

Wenn Du in den 1970er Jahren oder später geboren bist, weißt Du vielleicht gar nicht, wovon ich rede. Ich selbst war eigentlich noch ein kleines bisschen zu jung, als die erste Folge der Erfolgsserie „Ein Herz und eine Seele“ 1973 über deutsche Bildschirme flackerte – damals noch in schwarzweiß! Aber die Serie war in meiner Kindheit in aller Munde. Der Stoff ist bis heute brandaktuell. Du wirst bei dem Stück ganz sicher auch dann Deinen Spaß haben, wenn Du zur jüngeren Generation gehörst.

Alfred Tetzlaff, genannt „Ekel Alfred“, würde heute wahrscheinlich AfD wählen. Das Familienoberhaupt ist ultra-rechts, spießig, chauvinistisch und ausländerfeindlich. Sein Wissen über die Dinge der Welt bezieht er aus der BILD-Zeitung. Seine Frau Else, von Alfred als „dusselige Kuh“ bezeichnet, würde wahrscheinlich das Gleiche wählen wie ihr Mann, so, wie es sich für eine brave Ehefrau gehört. Und schließlich ist sie – wie der Beiname sagt – nicht die hellste Kerze auf der Torte. Tochter Rita, Verkäuferin in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses, wohnt mit ihrem Mann Michael im Elternhaus. Der Vater hält die Tochter für missraten, was er sie regelmäßig wissen lässt. Sein größeres Problem aber ist der Schwiegersohn. Der 68er – gerne als „Sozi“ oder „Kommunistenschwein“ beschimpft –  ist so gar nicht das, was er sich für seine Tochter gewünscht hat. Permanent geraten die beiden Männer aneinander.

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von links: Rita (Isabel Arlt), Else (Erika Döhmen), Alfred (Thomas Ney); Foto: Marit Persiel

Die unterschiedlichen und herrlich schrägen Charaktere sorgen für viel Witz und Sprengstoff. Apropos Sprengstoff: Für „Silvesterpunsch mit Knalleffekt“ hat das Thomas Ney.Theater zwei Folgen der Fernsehserie von Wolfgang Menge miteinander kombiniert: In „Die Bombe“ nimmt Else für ihre Nachbarin ein Paket an. Der Adressat ist deren Untermieter, ein Mann namens M. Ahmed Ben Yussuf. Für Ekel Alfred ist klar: in dem Paket ist eine Bombe! Man weiß ja schließlich, was sich diese Orientalen gegenseitig in Paketen schicken….. Die Folge „Der Silvesterpunsch“ ist legendär und läuft, ähnlich wie „Dinner for one„, regelmäßig am Silvesterabend in einigen dritten Programmen. Nur der Hausherr persönlich kennt das Rezept für den besten Punsch. Bei der Zubereitung muss er natürlich das eine oder andere Mal probieren…..

Thomas Ney spielt dieses Bild von einem Mann ähnlich authentisch wie Heinz Schubert es einst tat. Auch Erika Döhmen lässt als herrlich dusselige Kuh Erinnerungen an die großartige Elisabeth Wiedemann wachwerden. Tickets für die letzten drei Vorstellungen am Donnerstag, 30. November, Freitag, 1. Dezember und Samstag, 2. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr in der KulturBäckerei, bekommst Du hier. Lass es Dir nicht entgehen! Ich habe das Stück bereits im vergangenen Jahr gesehen und kann es unbedingt empfehlen.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Nur eine Woche später steht Thomas Ney bereits wieder auf der Bühne der KulturBäckerei : in der letzten Vorstellung von „Kunst„. Auch hier darf wieder herzlich gelacht werden, die Story ist aber etwas hintergründiger.

Über Geschmack lässt sich streiten. Aber kann eine Freundschaft daran zerbrechen? Serge hat für viel Geld ein Bild gekauft. Ein Ölgemälde von etwa ein Meter sechzig auf ein Meter zwanzig, ganz in weiß. Sein Freund Marc hält ihn für völlig übergeschnappt. Er hofft, in dem gemeinsamen Freund Yvan, einen Verbündeten zu finden. Doch der findet, dass Serge mit seinem Geld machen kann, was er will. Die „weiße Scheiße“ (Zitat Marc) wird zur Belastungsprobe für die langjährige Freundschaft der drei Männer.

In dem Stück von Yazmina Reza („Der Gott des Gemetzels“) zeugen die Dialoge von Intelligenz und Witz. Bei der Lüneburger Theaternacht im September gaben Thomas Ney und seine Schauspielkollegen bereits eine Kostprobe, die mir sehr gefallen hat. Es gibt nur noch eine Vorstellung am Freitag, den 8. Dezember um 19.30 Uhr. Tickets bekommst Du hier.

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von links: Raimund Becker-Wurzwallner, Henning Karge, Thomas Ney; Foto: Marit Persiel

Wen man kennt, den frisst man nicht

Aller guten Dinge sind drei. Daher möchte ich noch kurz ein Kinderstück erwähnen, das ebenfalls in der KulturBäckerei gespielt wird: „Ein Schaf fürs Leben“. Ich kann mir selbst kein Urteil über das Stück erlauben, aber ich finde alleine das Plakat mit dem Wolf und dem Schaf auf dem Schlitten so großartig! Und die Story klingt vielversprechend: Der Wolf hat Hunger und sein Kühlschrank ist leer. Also begibt er sich auf Nahrungssuche und trifft auf das Schaf. Bekanntlich haben ja Wölfe Schafe zum Fressen gern, aber tatsächlich findet der Wolf Gefallen an dem Schaf. Am Ende erleben die beiden gemeinsam aufregende Abenteuer und der Wolf muss seinen Hunger anderweitig stillen. Denn: wen man kennt, den frisst man nicht.

Das Schauspielkollektiv – Neues Schauspiel Lüneburg präsentiert ein Stück für Kinder ab sechs Jahren über Freundschaft, Vorurteile und Respekt vor den Eigenheiten des Anderen. Tickets für die beiden Vorstellungen am Sonntag, den 3. Dezember um 15.30 Uhr und Mittwoch, den 6. Dezember um 16.00 Uhr gibt es hier.

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