Von Hamburg nach Lüneburg. Warum?

„Ihr zieht nach Niedersachsen?!“ Der Ton meiner Schwiegermutter ist entsetzt bis verächtlich. Ja, wir ziehen nach Niedersachsen. Um mich mag sie es nicht schade finden. Ich komme ja schließlich ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen. Aber für ihren Sohn muss sie es geradezu als gesellschaftlichen Abstieg empfinden. Denn mein Mann Matthias ist gebürtiger Hamburger. Darauf besteht er auch. Aber aufgewachsen ist er eigentlich auch in Niedersachsen, in  Tostedt. Und an seine ersten drei Lebensjahre wird er sich kaum erinnern. Meine Schwiegermutter hingegen, die jetzt so auf uns herabschaut, hat ebenfalls einen Großteil ihres Lebens in Niedersachsen verbracht, von wo aus sie nach Rheinland-Pfalz ging, und heute lebt sie selbst in Nordrhein-Westfalen.

Ja, wir ziehen nach Niedersachsen. Eine ganz bewusste Entscheidung. Eine pragmatische dazu, und damit stehen wir sicher nicht alleine da. Auf der Suche nach einer bezahlbaren Eigentumswohnung stellt sich jeder Hamburger früher oder später die Frage: muss es unbedingt Hamburg sein?

Eine kleine Rückblende: Ich bin 2008 von Krefeld nach Hamburg gezogen. Ebenso eine ganz bewusste Entscheidung. Mein Bruder, der in Frankfurt lebte, sagte damals „Endlich ziehst Du mal in eine richtige Stadt!“. Ich habe meine Zeit in Hamburg genossen, schnell Freundschaften geschlossen und nach und die Stadt erkundet. In den letzten Jahren habe ich ganz besonders meinen Stadtteil Barmbek lieben gelernt und als freie Mitarbeiterin des Hamburger Wochenblattes regelmäßig darüber geschrieben.

Nun schrieben wir das Jahr 2016, Ich ging auf die 50 zu, Matthias war 57 und hatte gerade einen neuen Job in Hamburg-Heimfeld angetreten. Die Miete für die – zugegeben recht ansehnliche – Wohnung in Barmbek war hoch. Zum Abbezahlen der Raten für eine Eigentumswohnung würden uns noch etwa zehn Jahre bleiben, denn ich trug mit meiner Tätigkeit nur einen unwesentlichen Teil zu unserem Haushaltseinkommens bei. Auf den gängigen Immobilienportalen stießen wir auf Wohnungen, die direkt an Hauptverkehrsstraßen lagen, zu klein, zu teuer oder einfach am falschen Ende von Hamburg waren. Auch von Barmbek (im Nordosten von Hamburg) aus ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln ungefähr 50 Minuten bis Heimfeld (im Südwesten) unterwegs.

Karte Barmbek-Heimfeld-Lüneburg
Quelle: Google Maps

So begannen  wir, an den Wochenenden Ausflüge ins Hamburger Umland zu unternehmen. Stade wäre eine Option gewesen, aber in Lüneburg haben wir uns gleich verliebt. Wir sind beide in Kleinstädten mit ungefähr 10.000 Einwohnern aufgewachsen – zurück aufs Dorf kam nicht in Frage. Lüneburg hat ungefähr 75.000 Einwohner, eine zauberhafte Innenstadt mit alten Fachwerkhäusern und eine Universität. Und eine gute Bahnverbindung nach Hamburg. Letzteres sei das Beste an Lüneburg, sagen böse Zungen. Ich werde Euch beweisen, dass sie Unrecht haben.

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Idylle pur am Stintmarkt: Blick auf die Abtsmühle und das Hotel Bergström

Bild oben: Blick auf die Häuserzeile am Platz „Am Sande“ vom Wasserturm

 

4 Kommentare zu „Von Hamburg nach Lüneburg. Warum?

  1. Ruthy, ich finde deine Blog-Idee fantastisch. Und deinen authentischen, ehrlichen Stil. Da können sich die Lüneburger jetzt schon drauf freuen und ich sehe dich schon mit Block und Zettel beim nächsten Restaurant-Besuch. Oh Oh, die Lüneburger Szene muss jetzt zeigen, was sie drauf hat und pass auf, dass nicht auf deine Schwiegermutter noch auf den Geschack kommt, dann steht sie womöglich ständig auf der Matte :-)))

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  2. Ja, ja, die Hamburger…glauben tatsächlich, nur ihre Stadt wäre schön. Ja, Hamburg ist schön. Aber nicht als einzige Stadt! Jetzt bin ich gespannt auf Deine „Beweisführung“, warum Lüneburg schön ist 🙂

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